Zwischen Verbundenheit und Pflichterfüllung
Wir haben einen freundlichen Nachbarn, der mit großer Sorgfalt die Gehwege und den Bürgersteig vor seinem Haus in Ordnung hält.
Eines Tages sagte er ganz beiläufig auf hessisch: „Is alles fer die anner Leut.“
Dieser Satz kommt mir ins Gedächtnis, wenn ich an diesen Vollmond denke.
Denn wie oft leben auch wir nach diesem Prinzip?
Wie oft richten wir unser Handeln danach aus, was andere denken, erwarten oder bewerten?
Wir bemühen uns, alles richtig zu machen, möchten keinen Anlass für Kritik geben und hoffen, dadurch Anerkennung, Zugehörigkeit und Sicherheit zu finden.
Doch manchmal übersehen wir dabei etwas Wesentliches.
Unser Wert hängt nicht davon ab, wie zufrieden andere mit uns sind.
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Wir sehnen uns nach Verbundenheit. Nach dem Gefühl, angenommen zu werden, dazuzugehören und uns sicher zu fühlen. Tief in uns steckt der Wunsch, vor allem mit der Venus im Löwen, gesehen zu werden und dazu zuhören.
Aber wir kennen auch die Angst vor Bewertung.
Vor Ablehnung und vor Strenge. Sei es die Strenge anderer Menschen uns gegenüber oder die Strenge, mit der wir selbst auf uns blicken.
Vielleicht haben wir gelernt, dass Liebe, Anerkennung und Zugehörigkeit an Bedingungen geknüpft sind. Dass wir etwas leisten, funktionieren oder bestimmten Erwartungen entsprechen müssen, um liebenswert zu sein.
Mit der Zeit kann daraus die Überzeugung entstehen, nicht gut genug zu sein.
Nicht wertvoll genug. Nicht liebenswert genug.
Diese Überzeugung begleitet uns häufig unbemerkt durchs Leben. Sie beeinflusst unsere Entscheidungen, unsere Beziehungen und unseren Umgang mit uns selbst.
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Wie der Stier-Aszendent und Saturn anzeigen, suchen wir nach Sicherheit, doch manchmal suchen wir sie an Orten, die uns gar keine echte Sicherheit geben können.
Wir versuchen, alles richtig zu machen, Konflikte zu vermeiden oder die Erwartungen anderer zu erfüllen.
Wir passen uns an oder werden besonders streng mit uns selbst.
Dieser Vollmond zeigt durch Neptun, dass wir uns möglicherweise täuschen in der Vorstellung davon, was uns Sicherheit gibt.
Oft entfernen wir uns dadurch immer weiter von uns selbst. Wir verlieren den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen und orientieren uns zunehmend an äußeren Maßstäben.
Auch in der Bewertung durch andere Menschen können wir uns täuschen.
Nicht jede kritische Stimme sagt etwas über uns aus.
Andere Menschen beurteilen uns aus ihrer eigenen Perspektive, geprägt von ihren Erfahrungen, Ängsten und Erwartungen. Ihre Urteile sind keine objektive Wahrheit.
Genauso wenig ist unsere innere Stimme immer ganz verlässlich, vor allem wenn sie durch negative Erfahrungen geprägt wurde.
Denn viele von uns tragen einen inneren Kritiker in sich, der uns ständig daran erinnert, was wir besser machen müssten, wo wir versagt haben oder warum wir nicht genügen.
Doch diese Stimme ist nicht unsere Identität. Sie ist doch fast immer das Ergebnis alter Erfahrungen, die wir verinnerlicht haben.
Mit diesem Vollmond können wir beginnen, diese Annahmen und Vorstellungen zu hinterfragen.
Verbundenheit entsteht dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.
Dort, wo wir erkennen, dass unsere Sehnsucht nach Akzeptanz und Nähe wie auch unsere Angst vor Ablehnung zwei Seiten von gemachten Erfahrungen sind.
Wir alle wünschen uns, geliebt zu werden und dazu zu gehören.
Doch sicher beginnt der Weg dorthin nicht damit, noch mehr zu leisten oder noch perfekter zu werden. Und auch nicht mit dem Glauben, dass wir etwas erfüllen müssen, um liebenswert zu sein.
Wir erkennen, dass wir nicht ständig für die „anner Leut“ leben müssen, um unseren Platz zu haben.
Ihre
Vollmond 30.06.26, 1:57 Uhr (Berlin) Sonne im Krebs, Mond im Steinbock, Aszendent Stier

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